19. Juni 2015 – „Hilfe“ für Griechenland

Unsere „Qualitäts“- Medien und unsere „Qualitäts“- Politdarsteller arbeiten sich wieder und immer wieder am EU-Staat Griechenland ab. Angeblich droht großes Ungemach. Ohne an dieser Stelle auf die ökonomischen Zusammenhänge (zu gegebener Zeit noch viel mehr dazu) einzugehen, bleiben ein paar deutlich sichtbare Verhaltensweisen, die jedem Vernunftbegabten auffallen müssten.
Klar ist, dass man von der BILD-Zeitung keine sachlichen Informationen erwarten kann, aber es wird gegen Griechenland gehetzt, dass einem nur Zorn bleibt und das Gefühl von Hilflosigkeit überkommt: ca. acht Millionen Leser täglich (geschätzt, bei über zwei Millionen täglicher Auflage). Leider kann man vom öffentlich-rechtlichen, vom Bürger finanzierten Fernsehen, nicht behaupten, dass dort Sachlichkeit bei den Nachrichten Priorität hätte, wenn es um Griechenland geht. Am Beispiel der Tagesthemen vom 14. Juni und der Tagesschau vom 15. Juni sei es hier kurz aufgezeigt: Die Tagesschau „berichtet“ ganze fünf Minute, also ein Drittel der Sendezeit, über den „Schuldenstreit“ mit Griechenland. Man erwartet als (wohl naiver?) recht aufgeschlossener Zuschauer, dass jetzt beide Seiten zu Wort kommen werden und die Gründe für das Scheitern der Verhandlungen dargestellt werden. Weit gefehlt! Unsere EU-„Leuchten“ (Oettinger, Schulz, Juncker) und unsere Bundestagsparteien (außer der LINKEN – warum wohl???) dürfen ihre Meinung absondern und die Berichterstatter „begleiten“ diese „sachgerechte“ und „differenzierte“ Meinungsshow, ohne die griechische Argumentation auch nur zu erwähnen. Wer es sich zumuten mag: Hier die Sendung (05:06m). Am Tag zuvor in den Tagesthemen (05:54m) zeigten sich die ARD-Journalisten in „Höchstform“, ich überlasse an dieser Stelle die Analyse einem Profi (Lektüre sehr empfehlenswert, da auch die griechische Sicht der Dinge berücksichtigt wird). Diese „Nachrichten“ sind leider die Regel und differenzierte Sachdarstellungen oder Diskussionen zum Thema gibt es sehr selten vor 22:00h, die politisch Verantwortlichen wissen sehr genau, dass sich da nur noch kleinste Minderheiten informieren. Folglich herrscht „BILD-Stimmung“ im Lande, zumal die kommerziellen TV-Sender auch nur mit „BILD“-Methoden „Quote machen“, und unsere Politdarsteller plärren entsprechend mit (aktuelles Zitat Gabriel, Wirtschaftsminister, in der BILD – wo sonst – : Deshalb werden Europa und Deutschland sich nicht erpressen lassen. Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen“). Dabei vergessen sie sogar ständig ihre gutbürgerliche Fassade und pöbeln (aktuelles Zitat Kauder, Bundestagsfraktionsvorsitzender der CDU: „Das sollte sich das freche Bürschchen Tsipras mal hinter die  Ohren schreiben. Rotzfrech auftreten und dabei die Hausaufgaben nicht machen, das geht gar nicht.“) über eine demokratisch gewählte griechische Regierung. Ein widerliches Schauspiel dieser lupenreinen Demokraten, was sie da seit der Griechenland-Wahl im Januar durchziehen (aktuelles Zitat Lagarde, IWF-Chefin: „Am dringendsten ist es aus meiner Sicht, den Dialog von Erwachsenen im Raum wiederherzustellen.“). Meine einzig mögliche Schlussfolgerung: Wer sich so aufführt, will keine faire Lösung des Problems und will nur seine Interessen – hier einfach und verständlich erklärt (08:13m) – durchsetzen und die aus ihrer Sicht „falsche“ Regierung in Griechenland regelrecht platt machen. Natürlich interessiert es diese Herrschaften nicht, wie die Menschen in Griechenland unter diesem Krieg Reich gegen Arm leiden, und was die griechische Regierung zu sagen hat, wird nicht zur Kenntnis genommen.

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